Einheit von [Notenbild,] Klangvorstellung, Tastenbild, Spielbewegung und Klang


Wenn man sich das Schema ansieht, fällt auf, dass „Notenbild“ in eckigen Klammern steht. Dafür gibt es zwei Gründe: Einmal kann man selbstverständlich auch ohne Noten spielen, viel wichtiger aber ist, dass das Nach-Noten-Spielen die Gefahr birgt, dass man seine Klangvorstellung nicht ausreichend entwickelt. Wenn man nach Noten spielt, muss man sich schließlich keinen einzigen Ton vorstellen.
Vielen bleibt die Möglichkeit, sich Klänge vorzustellen, trotz Klavierunterrichts verborgen. Manche wiederum glauben, dass das nur etwas für Komponisten und andere Genies ist und würden nie auf die Idee kommen, dass ihnen selbst so etwas möglich sein könnte.
Die meisten jedoch wollen einfach so schnell wie möglich brauchbare Ergebnisse erzielen: Sie lernen einfach zu jeder Note die dazugehörige Taste, schlagen sie an und hören sich den Klang an. 1) Bis zu einem bestimmten Grad funktioniert das auch ganz gut und hat auf jeden Fall seine Berechtigung.
Was passiert also normalerweise, wenn man nach Noten Klavierspielen lernt? Oder besser: Was passiert nicht?
Die Klangvorstellung entwickelt sich kaum, da man sein Gehör nur dazu gebraucht, um im Nachhinein das Gespielte zu beurteilen. Man entwickelt langsam ein Bild von dem Stück, indem man nach jedem Mal Spielen sagt: So nicht. Das muss anders klingen. Dann probiert man etwas aus und sagt vielleicht: das war noch schlechter. So geht es auch nicht. Oder man hat zufälligerweise eine bessere Lösung gefunden. Dann spielt man vielleicht nochmal, um zu sehen, ob es noch besser geht. Irgendwann ist man dann vielleicht zufrieden, weil es so gut ist oder man gibt sich zufrieden, weil man jetzt eben nichts Besseres findet, vielleicht morgen. Zum Abschluss prägt man die gefundenen Lösung noch seinen Fingern ein, indem man die Stelle noch ein paarmal spielt, und hofft, dass man sie nicht wieder verlernt. Das ist ein langwieriger Prozess, den die meisten kennen, die schon einmal Klavier gespielt haben oder noch (noch!) spielen. Man kommt über einen gewissen Punkt nicht hinaus. Irgendwo gibt es immer noch einen Fehler. Aber man gibt nicht auf. Schließlich wird man ja auch immer besser. Aber so richtig zufrieden ist man nicht. Irgendetwas stimmt nicht so recht. Aber was? Man fühlt sich nicht frei... Und dann gibt es keinen Weg mehr zurück - oder soll man etwa nochmal von vorne anfangen? - oder doch?



1) Das Klavier ist hierzu besonders geeignet. Auf keinem anderen Instrument so leicht ist, einen Ton zu erzeugen. Das Klavier ist vielleicht deshalb in dieser Hinsicht das gefährlichste Instrument.           nach oben


zu Klavierunterricht zurück zu „Noten werden...“


nächster Text