Entwicklung des Bewegungsapparates und der Körperwahrnehmung:


Was brauchen wir, damit wir unsere Klangvorstellung in die richtige Bewegung umsetzen können?

Verständnis der Komposition:


Es mag verwundern, dass dieser Punkt an erster Stelle steht, da sich ja die Trennung der Musiker in Komponisten und Instrumentalisten seit langem etabliert hat und eine kompositorische Ausbildung seither als nur noch sehr begrenzt erforderlich angesehen wird.
Zwei Punkte:
Es ist klar, dass die Finger ihre Tasten umso leichter finden, je früher sie erfahren, welche es sein sollen, und es ist ebenso klar, dass ein Verständnis der Struktur / Textur des Stücks entscheidend dazu beitragen kann.
Wenn man bestimmte Harmoniefogen einmal kennt, erkennt man sie in jedem neuen Stück und muss nicht jedesmal eine neue Folge üben. Und es kommt noch hinzu, dass bei einem Griffbild sich alle beteiligten Finger gleichzeitig auf den Weg machen können, während bei einer Folge von Einzelbildern auch nur einzelne Finger nacheinander bewegt werden, was natürlich länger dauert.
Und schließlich für den Nur-Spieler: Je schneller man ein Stück begreift, desto mehr Zeit steht für das Üben zur Verfügung.

Technik:


technische Übungen:
- sind eine Möglichkeit, das Problem, um dessentwegen man sie aufnimmt, von anderen Seiten zu beleuchten und es quasi von oben kommend zu lösen anstatt immer wieder verzweifelt von unten daran zu kratzen.
- können sehr viel Spaß machen. Man hat eine überschaubare Herausforderung und kann leicht Fortschritte machen.
- Es läßt sich nicht vermeiden, dass man hin und wieder in seinen Körperfunktionen staunend etwas Neues entdeckt, etwa eine unerwartete Seitenbewegung des kleinen Fingers, wenn man ihn hebt, oder die Empfindung der Entspannung in einem Finger, während sich die anderen Finger bewegen, oder auch nur die Wahrnehmung der Berührung der Fingerkuppe mit einer Taste.
- Studiert man sie in allen möglichen Tonarten und Lagen und konzentriert sich dabei im Wesentlichen auf die dynamische und rhythmische Genauigkeit, dann muss man sich um die nötige Kraft nicht kümmern, weil man sie nebenbei mitentwickelt. Die Entwicklung von Kraft braucht die Zeit, die man auch braucht, um das technische Problem umfassend zu behandeln. So muss man sich nicht übermäßig anstrengen.
- Losgelöst von Musik wird einem sehr schnell klar, dass es nichts zu entwickeln gibt, das die Mühe wert ist.
- Deswegen braucht man auch Übungen, die selbst wieder Musik sind.
- Die rechte Motivation für ein Techniktraining ist der Wille, etwas ganz genau so ausdrücken zu können, wie man es sich vorstellt.

Kraft:


Die Krafteinsätze beim Klavierspielen sind meist zu kurz, um nennenswerte Trainingseffekte zu erzielen. Durch Krafttraining oder Sportarten, die Kraft erfordern wie z.B. Klettern, kann man einen wesentlich schnelleren Trainingseffekt erzielen. Ein Beispiel ist der Pianist und Bodybuilder Tzimon Barto. Den meisten Pianisten sieht man hingegen nicht an, ob sie irgendein Krafttraining durchführen, bei manchen fällt es auch schwer, sich das vorzustellen.
Auf jeden Fall aber kann Klavierspielen sehr anstrengend sein ( siehe z.B. Berezowsky in den Etüden Liszts)
Neben einem Muskelzuwachs verbessert Krafttraining auch die intramuskuläre Koordination.
Mir persönlich hilft Klettern merklich. Vielleicht geht es aber auch ohne Krafttraining und nur mit Koordinationstraining.

Beweglichkeit - Fingergymnastik und Dehnungen:


Der Ringfinger lässt sich von Jahr zu Jahr höher heben. Geduld ist wichtig.
Das Heben der Finger wird normalerweise zu wenig berücksichtigt. Um schnell zu spielen, müssen die Finger nicht nur schnell anschlagen, sondern sich auch schnell wieder heben.
Die Spannweite der Hand kann durch Dehnung erweitert werden.
Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, wie das Beispiel Schumanns zeigt.
Auch Skrjabin hatte eine vorübergehende Lähmung.
Haltungsschäden bei Berufsmusikern sind weit verbreitet.
Ich wechsle beim Üben ab zwischen Entspannung der Muskulatur bei möglichst kleinen und schnellen Bewegungen und Streckungen der Finger gefolgt von explosiven, kraftvollen Bewegungen.
Ich finde, dass man den physischen Aspekt nicht zu hoch bewerten sollte.

Koordination:


Schnelligkeit und Geschicklichkeit erreicht man durch Achtsamkeit (auf den Körper, durch Beobachtung der Bewegung, v.a. aber durch genaues Hinhören).

zu Klavierunterricht


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